Wald von Morgen

Waldumbau - wohin und wofür?

Altersklassenwald, Plänterwald, Dauerwald, Mischformen - was ist sinnvoll? 

Was bedeutet heute Nachhaltigkeit?

Der Name Nachhaltigkeit kam durch Forstmeister von Carlowitz vor etwa 300 Jahren in die Welt und ist seit etwa 30 Jahren zum "Sesam öffne dich!" in fast allen Branchen geworden. Kaum ein Unternehmer, der es nicht für seine Waren proklamiert. Ursprünglich bedeutete es, den Wald zum nie versiegenden Quell der heimischen Wirtschaft zu machen. Was Unternehmer und Förster bei der Verwendung des Begriffes gemeinsam haben, ist, dass beide zuversichtlich an ein Morgen glauben. Die einen fassen es mittlerweile im ökologisch höchsten Sinn seiner Bedeutung auf, die anderen nutzen häufig nur ein schönes Wort, um anzudeuten, sie seien auf der Höhe der Zeit. 

Vor etwa 100 Jahren formulierte der Forstwissenschaftler Alfred Möller (1860-1922) als Erster den Begriff des Waldes als Organismus, womit genau das gemeint war, was wir heute unter einem stabilem Ökosystem verstehen. Möller nannte dieses Konzept den Dauerwald, bzw. Dauermischwald. Das bezieht sich nicht auf die Dauer, die es bis jetzt brauchte, dieses Konzept überall im Land verständlich zu machen und umzusetzen. Glücklicherweise geschieht das heute mehr und mehr. 

Gut 200 Jahre nach von Carlowitz und dennoch seiner Zeit voraus, erweiterte Möller den Begriff "Nachhaltigkeit" um die biologische Dimension (Biologische Nachhaltigkeit) und führte damit die Erfahrungen von Forstwirten und die Beobachtungen der Naturwissenschaftler mit den ökologischen Erfordernissen des hochindustriellen Zeitalters zusammen.  


...aus der Not heraus

 

Raubbau und Forstmißwirtschaft setzte dem Wald der Thüringer zur Zeit der Nazidiktatur empfindlich zu. Dass 1944 die Kahlschlagverbote per Gesetz aufgehoben wurden, zog die unvermeidliche Katastrophe nach sich. Ende der 40er Jahre entstanden durch Windbruch und eine große Borkenkäferkalamität 26.000ha Kahlfläche im Mittleren Thüringer Wald. Trotz der darniederliegenden Wirtschaft wurde der Wald zwischen 1946 und 1949 in atemberaubendem Tempo von Forstleuten und vielen Freiwilligen wieder aufgebaut - allerdings als der uns bekannte Altersklassenwald. Wie wir jetzt erkennen können, hat dieser Hochwald seine Schwächen, weil er weitere Kalamitäten vorprogrammiert. Dass das allerdings Ende der vierziger Jahre nur von nachrangigem Interesse war, ist jedermann verständlich.

 

 

 

 

Pflanzaktion in den 40ern mit Freiwilligen bei Oelze/Katzhütte

mit freundlicher Genehmigung von Ute Rudolfs

 

 

 

 

Ein besonders wertvoller Plänterwald - der Dauerwald.

Dauermischwald - eine sozialökologische Alternative

Dauerwald ist ein Forst, der neben einer hohen Biodiversität auch hohe wirtschaftliche Ertragsmöglichkeiten gewährt. Weit davon entfernt ein Urwald oder eine Nutzholzplantage zu sein, kann er getrost als Höhepunkt sozialökologischer Kultur im Waldbau bezeichnet werden und als Schnittstelle eines harmonischen Gleichgewichtes von Mensch und Natur.  Oder wie es in den Worten seines Erstformulierers Alfred Möller heißt: Dauerwald bedeutet,

  1. Gleichgewichtszustand aller dem Wald eigentümlichen Glieder, d. h. konsequent kahlschlagsfreie Bewirtschaftung durch Einzelbaumnutzung und weitgehender Verzicht auf biologisch/ökologische Schädigungen des Systems                                   
  2. Gesundheit und Tätigkeit des Bodens, d. h. Schutz und Pflege der Bodenlebewelt               
  3. Mischbestockung               
  4. Ungleichaltrigkeit              
  5. einen überall zur Holzwerterzeugung genügenden lebenden Holzvorrat  

 

Die große Chance

Wie baut man einen Wald biologisch nachhaltig auf? 

Auf die gegenwärtige Borkenkäferkalamität in unserem Wald reagierte Thüringen Forst bisher mit 80.000ha Kahlfläche (Stand 08/2023). Gleichzeitig läuft allerdings ein engagierter Waldumbau auf Hochtouren. Indem verschiedene Mischbaumarten (Weisstanne, Buche, Traubeneiche, Stieleiche, Ahorn, Winterlinde, Lärche....) gepflanzt und geschützt werden, könnte damit auch ein erster Schritt in Richtung eines mehrschichtigen Dauerwaldes gemacht werden. 

Einige Förster pflanzen einen relativ schnell wachsenden Vorwald aus Pionierbäumen, unter denen Buchen, Eiben und Weisstannen sicherer hochkommen können. Sobald sich in der sog. Dickungsphase ein erster kleiner Blätterschutz aus Birken, Espen, Birnen etc. und damit mehr Feuchtigkeit und Chlorophyll gebildet hat, ist der Nährboden gesichert für eine schattenstabile Verjüngung. Andere bevorzugen es, Wild- und Setzlinge in einem Abstand von 10m zu pflanzen. Dazwischen kommen in größeren zeitlichen Abständen schneller wachsende Bäumchen, um über Vielfalt eine höhere Resilienz im heranwachsenden Wald herbeizuführen. Das gewährt zum Einen ein realistisches timing, um Nachschub aus Samendarren und Baumschulen nachkommen zu lassen, zum Anderen kann dadurch die zum Dauerwald gehörige Altersstaffelung gewährleistet werden.  

Bis ein 4-schichtiger Dauermischwald in einer Hochwaldphase angelangt ist, werden sich mindestens drei Generationen um unseren Wald gekümmert haben müssen, denn das Dauerwaldkonzept erfordert kontinuierliche Hege und Pflege. 

Etwas pathetisch könnte man sagen: Wer biologisch nachhaltig denkt und handelt, bereitet damit einer Zukunft den Weg, in der sich Wirtschaft (u.a. Holzertrag) und Biodiversität in einem sozialökologischen Gleichgewicht die Hände reichen. Wenn dieses Verständnis an die Nachwelt weitergereicht wird, ist die derzeitige ökologische Krise mit dem besten Zugewinn gemeistert worden.

Vom Wald der Thüringer

Allgemeines 

Von Schichten und Geschichten...

Von Gewässer und Geologie

Von Schwierigkeiten und menschlicher Lösungsenergie

Von Arten und Botanik
Von Käfern und Borken

Von Roten Listen und Blühenden Landschaften

Sensibel und robust zugleich: 

Thüringer Wald und Schiefergebirge haben uralte Kulturlandschaften, in denen Mensch und Natur, sich gegenseitig bereichernd, aufeinander abgestimmt sind.

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"Forstarbeiten im Schwarzatal"
 Ein  "Augenschein" von 1800. 
Zur Verfügung gestellt mit freundlicher Unterstützung vom Schloßmuseum Arnstadt.

 

Leibis-Talsperre unterhalb der Meuraer Heide...

      

 

                     ....hier bin ich Mensch! 

Hier darf ich´s sein!

aus Faust. Goethe

Von Schichten und Geschichten....

Seinen Namen hat er vom Hirsch, dem heiligen Tier unseres Herkynischen Berg-Mischwaldes. Er ist gut 1.000qkm groß und ein Teil des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges, das vor 300 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Paläozoikum entstanden sei. Damit gehören die Berge des Thüringer Waldes zu den ganz alten Hasen unter den Gebirgen Europas, wohingegen die im Tertiär entstandenen Alpen richtiggehend Jungspunde sind. Eine mitten im Wald über Brotterode aufragende  Porphyrspitze wie der „Hafersack“ wird demnach irgendwann einmal so etwas wie ein Mount Everest gewesen sein. 

Neben einer unendlich reichen Flora und Fauna von 55.000 Tier- und Pflanzenarten, die selbst in Deutschland ihresgleichen sucht, sind auf Thüringer Gebiet in gewaltigen Zeiträumen auch seltene mineralische Kostbarkeiten entstanden, welche die Menschen schon immer fasziniert haben. Beinahe jeder kennt die berühmten Schneekopfkugeln. Wer ihre unscheinbare Schale aufbricht, dem strahlt ein herrliches Quarzfeuer wie aus der Zeit vor der Zeit entgegen.

 

Der Sachsenstein an der Schmücke

 

 

Venetianer hält goldene Palme -

Ortswappen von Reichmannsdorf

Von alten Sagen

Aber auch in uralten Chroniken, Dokumenten oder geheimnissvollen Sagen  wird von einem florierenden Bergbau berichtet, der angeblich schon im Mittelalter betrieben wurde. Forscher vermuten seine Anfänge sogar in der vorchristlichen Laténe-Zeit. Das Magnetitbergwerk „Schwarzer Crux“ bei Schmiedefeld am Rennsteig liefere zu derlei Annahmen anschauliche und staunenswerte Materialien.

Geheimnissvolle Geschichten erzählen sich bis heute noch die Waldbewohner von kleinwüchsigen Walen oder Venezianern, die hier angeblich nach Kobalt und Mangan suchten, was sie zur Herstellung ihres berühmten Murano-Glases benötigten. Ein Venetianerbrunnen am Sachsenstein bei der Schmücke und der „Venetianerstein“ am Inselsberg geben davon noch eine nebelige Kunde. Daß solche Erzkundigen in den deutschen Mittelgebirgen und sogar von den Beskiden bis in den Schwarzwald zugange gewesen seien, davon erzählen noch heute die Märchen von Schneewittchen oder das Kalte Herz, in dem das Glasmännlein als gutes Geistchen erscheint.

 

 

 

 

Von Gewässern und Geologie

 

Aber neben den Sagen weisen auch die alten Flurnamen auf viele unscheinbar gewordene Wildnisse hin, wie beispielsweise der Mordfleck oberhalb von Stützerbach. Der kündet allerdings weniger von einem Verbrechen, als vielmehr von einem Moorfleck – entspringen doch in seinem Gebiet nach Süden hin die Goldlauter und nach Nordosten die Quellbäche der Ilm. Einer ihrer Zuflüsse, der Freibach, wurde in in den mittleren Lagen als Flößerteich angestaut und brachte das geschlagenen Holz über sog. Berggräben aus dem Gebirge heraus. Ein Berggraben war ein Gestützter Bach, der beispielsweise der Gemeinde Stützerbach seinen Ortsnamen gab.

 

 

Am Südhang des Rennsteiges fließen außerdem Nahe, Schleuse, Elte und die Schmalkalde in die Werra. Sie bringen die Salze und Mineralien von den Hängen des Thüringer Waldes hinunter in die Weser und nach vielen hundert Kilometer in die Nordsee. Richtung Nordosten vereinen sich die Gebirgsbäche Apfelstädt mit der Gera, die mit ihren beiden Oberläufen am Großen Beerberg und an der Schmücke entspringt. Sie alle ergießen ihre Gebirgswasser in der Goldenen Aue in die Unstrut, die bei Großjena in die Saale mündet. Nicht weit davon strömt auch die Ilm in die Saale. Ihr Ziel ist die Nordsee, wobei sie vorher noch die Elbe vergrößert.

 

Von Schwierigkeiten und menschlicher Lösungsenergie 

Viele Hochmoore, wie die Teufelskreise am Schneekopf (978m) oder auf dem Gr. Beerberg (982m) hatten es den ersten Vermessern des Rennsteigs nicht leichtgemacht. Allen voran ist hier der ehrenwerte Julius von Plänckner zu nennen. In angeblich 5 Tagen hätte er den gesamten mittelalterlichen Grenzverlauf zwischen dem obersächsischen Thüringen im Norden und dem fränkischen Henneberger Land im Süden von Blankenstein bis Hörschel abgewandert - den alten Rainstieg, der besser bekannt ist als der Rennsteig. Dabei habe er kartographiert und den Grundstein gelegt für viele kleine gut gang- und befahrbare Straßen und besonders aber für den Mythos Rennsteig. Das war 1830.

Er stand im Dienste seines Wettiner Herzogs Ernst I. Dieser wollte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Handel und Wandel in seinem Staat zwischen Gotha, Oberhof und Zella-Mehlis und dem Staat Preussen beleben. Durch einen ebenso wagemutigen wie umsichtigen Straßenbau in den Jahren 1830 – 1834, schuf von Plänckner eine erste Nord-Südverbindung über den Thüringer Wald. Das wiederum führte zum Aufschwung vieler Gewerbe. Händler brauchten sich nun nicht mehr unter großen Verlusten durch ausgewaschene Hohlwege über das Kammrückengebirge zu quälen. Der Wohlstand stieg in der Bevölkerung, deren Dank sich am Rondell bei Oberhof in einem zu Plänckners Ehren errichteten Obelisken ausdrückt. 

Genau ihm gegenüber steht das sog. Waldarbeiterdenkmal, das 1981 in dankbarem Gedenken den Aufbauhelfern des Thüringer Waldes und des Schiefergebirges nach den Windbruch- und Borkenkäferschäden in den 1940er Jahren gewidmet wurde. 

Bereits damals legten Alle Hand an. Das waren infolge des Krieges vorwiegend Rentner, Frauen, Jugendliche und Sowjetsoldaten. Im Unterschied zur damaligen Situation sind wir heute viel mehr; wir sind mitunter kräftiger und von keinen Kriegsfolgen gezeichnet. Wir haben aus den "Fehlern" der Vorfahren gelernt und sind in der vorteilhafteren Situation, ein sich selbst erhaltendes, anpassungsfähiges Ökosystem aufzubauen, woran vor 75 Jahren aus volkswirtschaftlichen Gründen schlechterdings nicht zu denken war, weil es damals galt, das Land einfach wieder aufzubauen. 

Von Arten und Botanik

Über ein Drittel Thüringens ist heute (noch) mit Wald bedeckt. Hier die Baumverteilung, wie sie im Mitteilungsheft 34/2015 des FFK (= Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha) angegeben ist:

  • 38,3% Fichte
  • 14,1% Kiefer
  • 19% Buche
  • 6,8% Eiche
  • 3,2% Lärche
  • 0,1% Tanne
  • 0,4% Douglasie
  • 8,1% langlebige Laubbäume, wie Sommer- und Winterlinde, Berg- und Spitzahorn, Berg- und Feldulme, Esche, Hainbuche, Elsbeere
  • 7,3% Laubbäume niedriger Lebensdauer, wie z.B. Birke und Pappel

Das war allerdings nicht immer so. Bereits 1816 führte Heinrich Cotta die Potentielle Natürliche Vegetation (PNV) auf eine Dominanz von Rotbuchenwälder zurück. Das wäre angeblich der autochtone, natürliche Bestand auf unseren Höhen.

Nach der Eiszeit, die angeblich baumlos war, wuchsen ab der sogenannten Alleröd-Zeit der Mittelsteinzeit erst Birke, dann während der Borealzeit genannten Erderwärmungsphase gesellten sich Kiefer und Hasel dazu. Mit der Atlantikum genannten mittleren Warmzeit siedelten sich Eichen und Buchen an. Und seit den Nachweisen über die Einführung der Viehzucht in der Jungsteinzeit vor ca. 6000 Jahren gilt eine Wechselwirkung von Waldvegetation und menschlicher Prägung als belegt.

 

Daraus folgt....

Für den Aufbau und Erhalt eines vitalen, widerstandsfähigen Waldes sind Herkunft der Setzlinge und die Standortwahl entscheidend. 

 

 

 

 

In den Höhenlagen des unteren und mittleren Thüringer Wald ebenso im Schiefergebirge sind Braunerden als Bodentyp weit verbreitet. Sie gelten als besonders fruchtbar. Auf ihrem silikatreichen Grundgestein konnten sie sich zu 50% bilden, genau wie auf den Vorgebirgen aus Buntsandstein. Dieser häufig vorkommende Mineralboden ist weitgehend verwittert und zeigt einen hohen Lehm- und Humusanteil. Auf ihm gedeihen die für Thüringen typischen Buchenwälder, sowie auch viele laubholzreiche Mischwälder.  

In den oberen Lagen kommen jedoch vermehrt ausgewaschene mineral- und nährstoffarme Podsole vor. Hier werden fruchtbare Ton-, Eisen- und Aluminiumverbindungen leichter in die tieferen Erdschichten gespült und sind daher für einen vielfältigen Pflanzenbewuchs nicht mehr ausreichend verfügbar. 

Die Podsole bilden fast 10 % der Thüringer Waldböden und tragen die ausgedehnten, landschaftsprägenden Fichten- und Kiefernwälder der Kammlagen.

 

 

 

 

 

 

Fichten bei Oberhof

Da die saure Podsole (russ. Ascheboden, Bleicherde) auf bestimmten Kammlagen unseres Mittelgebirges einen sehr geringen Gehalt von verwitterbaren Tonmineralien aufweist, trug sie deshalb schon vor 10.000 Jahren eine stattliche Anzahl Fichten, was die Pollenanalyse beispielsweise bei Oberhof ergab. 

Eintausend Jahre dauere angeblich die Entstehung eines Podsolbodens. Fruchtbarere Böden entstanden dort jedoch schon einmal schneller, wo der Mensch tätig wurde: Schon seit der Eisenzeit oder im Mittelalter hat man sich für eine bessere Bodennutzung mit einer sehr aufwendigen sog. Plaggenwirtschaft zu helfen gewusst. 

Die Düngung mit Pflanzenfasern und Nutztierexkrementen verbesserte die Nährstoffqualität solcher Böden enorm. Auf alte Formen dieser Art Bewirtschaftung greift auch Roland Kaiser zurück, der Forstamtsleiter des Sonneberger Gebietes, wenn er gezielt Rinder auf den waldkahlen Höhen weiden läßt. Zum Einen begegnet er damit der Gefahr der Versteppung, indem bsp. Wühlmäusen die Möglichkeit genommen wird, Wurzeln frischer Setzlinge zu befallen. Zum Anderen begünstigt er die Diversität durch selektiven Fraß, Nährstoffumverteilung, sowie Bodengestaltung durch Viehtritt. Im Ganzen begünstigt eine extensive und sparsam eingesetzte Waldbeweidung lichte Waldstrukturen und damit auch eine reichhaltigere Fauna aus Insekten, Vögeln und Kleinsäugern.

Läßt man allerdings der von einigen Experten vertretenen natürlichen Sukkzession freien Lauf (=natürlicher Anflug), dann setzt sich naturgemäß nur das durch und fort, was ohnehin in der Nähe der umgebenden Monokultur vorkommt. Damit rückt das erforderliche Ziel eines sich selbst erhaltenden und stärkenden Ökosystemes ebenfalls wieder in weite Ferne. Von manchen Naturschützern wird eine sog. Flächenstilllegung des Waldes favorisiert. Allerdings entstehen dadurch auf einer Podsole erst in 2.000 Jahren nur etwa 10cm neuer vitaler Waldboden. Da wir aber heute leben...

 

 

Eichen und Buchen auf dem Großen Beerberg

 Eine bedenkenswerte Ausnahme unter den Kammlagen macht der Große Beerberg. Schon in alten Zeiten galt er als schwer zugänglich, da er trotz seiner Höhe sehr feuchte Braunerden führt, die mit ihrem schon immer sumpfigen Milieu einer Vielzahl Lebewesen Heimstatt gewesen ist. Auch hier ergab die Pollenanalyse den Bewuchs zahlreicher Eichen und Buchen, die vor 10.000 Jahren angeblich Thüringens höchste Erhebung krönten. Es ist unvorstellbar, aber in einer einzigen Schubkarre solchen Waldbodens finden sich beispielsweise 2,5 Billionen Lebewesen.

 

Braune Vega 

heißt der lehmhaltige Boden der Bach- und Flußauen. Sie weißt eine großzügige Diversität von Insekten, Vögeln und Laubbäumen auf. Hier stehen Erlen, Pappeln und Weiden, welche hervorragende Wasserspeicher und CO2-Wandler sind. Die Böden sind allerdings sehr sensibel bei Schwankungen des Klimas, Luftverunreinigungen und anderer abiotischer Schäden, was besonders in der Nähe von den die Böden austrocknenden Windrädern der Fall ist.

 

Von Käfern und Borken

In der absteigenden Folge der unseren Wald schädigenden Einflüsse nimmt der Borkenkäfer schon seit Jahrzehnten eine bedeutende Position ein. Kupferstecher und Buchdrucker sind dabei nur zwei besonders aktive neben den 110 in Deutschland vorkommenden Arten. Der erste befällt den Baum vom Wipfel her, gräbt sich zwischen Borke und Stamm hinein, legt unvorstellbar viele Eier und hinterläßt ein filigranes Muster wie ein Kupferstecher auf einer Metallplatte, was ihm zu diesem Namen verholfen hat. Der Buchdrucker folgt der Arbeit der Vorhut und gräbt exakte, vertikale Gänge, von denen horizontale Gänge abgehen, was an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. 

Bedeutende natürliche Feinde des Borkenkäfers sind Buntspechte. Diese würde es in buchendurchsetztem Mischwald natürlich häufiger geben. Der Buntspecht lebt u.a. von holzbewohnenden Insekten, ihren Larven und Spinnen, die besonders im Totholz  anzutreffen sind. Deshalb ist es dem umsichtigen Förster zur Steigerung der Artenvielfalt ein Anliegen, einen gewissen Bestand von Totholz zu besitzen, wie auch Jakob Strobel, der Revierleiter der Cursdorfer Fluren betont. 

Wegen des seit 20 Jahren rapide absinkenden Grundwasserspiegels ist die Abwehrfähigkeit vieler Bäume beeinträchtigt. Da ihnen somit das Wasser zur Harzbildung fehlt, mit dem sie gewöhnlich die Bohrlöcher der Käfer "verharzten", so daß diese erstickten, können diese ihre Population ungebremst vermehren und dem Baum gründlich ans Holz gehen. Das trifft insbesondere die Tiefwurzler. Flachwurzler, wie die Fichte, benötigen den Regen, an dem es in den vergangenen Jahren ebenfalls bedenklich mangelte.

Einem gesunden, sich im ökologischen Gleichgewicht befindlichen Baum können Borkenkäfer gar nichts anhaben, so wie ein gesunder Mensch mit ausgewogenem, anpassungsfähigem Inneren Milieu unbeeindruckt ist von den fälschlich Erreger genannten Bakterien oder Viren, Pilzen oder Parasiten .

 

 

 

Flora und Fauna

Man vermutet 25.000 Pflanzenarten auf unseren Höhen. Das reicht über Algen, Flechten, Moose und alle Pilzsorten, über sämtliche Farne und Blütenpflanzen und natürlich über Bäume, Sträucher und Kräuter. Einige der weltweit schönsten Orchideen befinden sich im Grünen Herz Deutschlands

Seit Olims Zeiten orientieren sich Wald- und Forstwirte an den Erfahrungen der Vorfahren. Wie bereits angedeutet, natürlich auch dann, wenn es um die Wahl des Standortes geht, wo Bäume gepflanzt werden können und welche den in Gruppenverbänden besonders bereichern. So sind Kenntnisse erforderlich über:

  • geologischen Untergrund
  • Konkurrenzstärke einzelner Baumarten
  • Zusammenspiel von maritimen und kontinentalen Einflüssen

Atlantische Einflüsse sind vorherrschend für das Thüringer Klima. In Nord-Westthüringen ist es maritimer, in Süd-Ostthüringen kontinentaler. Auf der den maritimen Luftmassen zugekehrten Nordseite, auch Luv genannt, wuchsen seit jeher die dichten Buchenbestände, die an rauhere Klimate angepaßt sind. Anders als südlich des Rennsteiges auf der windabgewandten, sonnigeren und trockeneren Lee-Seite. Hier war der Verbiß stärker, da sie schon immer ein attraktiverer Lebensraum für Hirten, für sein Nutzvieh und für das Wild gewesen war. Ihr bevorzugter Aufenthalt dort trug auf der Südseite zu einer mehr strauchigen, dornigen und staudenhaltigen Vegetation von Schlehen, Rosen, Weißdorn, Brombeere oder Wacholder bei, weil die Tiere natürlich von einem Verbiß der stacheligen Sträucher absahen. Auch die großen Freiflächen und Trockenrasen der Südhänge entstanden so über Jahrhunderte.

  • Höhenlage und Relief
  • Weiserpflanzen 

 

 

Diese Weiserpflanzen sind sog. Bioindikatoren. Die Heidelbeere beispielsweise weist auf sauren Boden hin, der Gefleckte Aronsstab auf basischen Untergrund. Sie geben ebenfalls Aufschlüsse über Stickstoff- und Wassergehalt des Bodens. Der war in alten Zeiten basischer, so daß im submontanen Bereichen bis 500m NN Orchideen, Waldgersten, Eschen-Hainbuchen- und Eichenwälder üblich gewesen waren. Über 750m NN standen darum auch Hainsimsen-Buchenwälder, Ebereschen-Buchenwälder, Wollreitgras-Fichten-Tannen-Buchenwälder, Waldmeister und Zwiebelzahnwurz-Buchenwälder.  

...ein altes Wissen, worauf Förster und Waldbauern heute noch zurückgreifen. Einst gab es den Beruf des Erzscharrers. Dieser konnte vom Bewuchs am Berg auf die im Berg verborgenen Mineralien schließen und dadurch bestimmen, wo Bergbau sinnvoll ist und wo nicht.

 

Von Roten Listen und Blühenden Landschaften

Diese sind zuverlässige Fachgutachten von über 100 Autoren, welche gefährdete Arten kartographieren. Von den überprüften 16.023 Arten wurden 2021 in einem Sammelband 44 Rote Listen veröffentlicht. 

Hier eine klitzekleine Auswahl: 

  • Aquatische Tanzfliege, 
  • Eintagsfliege, 
  • Halmfliege
  • div. Schwebfliegen 
  • Steinfliege 
  • Stelzmücke
  • Glasflügler 
  • Kurzflügelkäfer 
  • Sackträger 
  • Schleimpilze
  • div. Flußkrebse 
  • Webspinnen..... und viele mehr. 

Hier die gesamte Rote Liste.

Daß eine solche dichte Population von Insekten die Voraussetzung für das Vorkommen vielfältigster Vogelarten ist, leuchtet jedem ein und ihre gegenwärtige Verarmung erklärt, weshalb auch der Ornithologe von einem Rückgang der Artenvielfalt unserer munteren Sänger spricht. Das Braunkehlchen - Vogel des Jahres 2023, wird in der Roten Liste Thüringens als sogar vom Aussterben bedroht beschrieben. 

Eine intensive, kapitalistische Altersklassenwaldbewirtschaftung dient vorrangig einer ganz besonderen Spezies und führt zwangsläufig zur Verarmung der Artenvielfalt. Daher ist es ein Ziel ökologisch umsichtiger Forstwirte, eine extensive Waldwirtschaft zu betreiben, was bedeutet, daß der wirtschaftende Mensch hier weniger in den Naturhaushalt eingreift und die vegetativen Standortfaktoren beläßt. 

Die Fortwirtschaft spricht gern unisono von Waldpflege. Auch wenn Deutschlands beliebtester Förster, Peter Wohlleben, eine solche Aussage als Feigenblatt und PR-Maßnahme bloßstellt und das Engagement vieler Förster mit einem Metzger vergleicht, der behauptet, Tierpfleger zu sein, gibt es viel mehr Förster, die es ernst meinen mit der Waldpflege und diesem Schema gottlob nicht entsprechen.

 

 

 

Das Schiefergebirge

 

Alles, was sich östlich des Langen Berges bei Gehren, östlich von Großbreitenbach, Schönbrunn, der Schleuse und Schleusingen über zwei Tagesmärsche erhebt, wird von den Geologen bereits zum Hohen Thüringer Schiefergebirge gezählt. Das ist bei den aktuellen Anpflanzungen von autochtonem Mischwald nicht ganz unwichtig.  

Alte Häuser in Rudolstadt, aber auch bereits in Walthershausen und in Schmalkalden sind häufig aus Muschelkalk oder dem Buntsandstein  gebaut, der auf den Vorgebirgsrücken im Paulinzellaer Vorland, bei Großkochberg, Teichel  bzw. im Kleinen Thüringer Wald vorkommt. Dort stehen von Natur aus auch andere Bäume in anderen Gruppen, als im Ruhlaer Kristallin oder bei Wurzbach. Dort liegen (Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergeß ich nimmer…“) die Hauptbestandteile des Granites. Dieser Granitsockel weist eine günstige Wasserspeicherung, bei zugleich mangelhafterer Durchlüftung auf, was ein günstiger Standort für Trauben- und Stieleichen oder Weißtannen darstellt. -weshalb sie u.a. dorthin gehören.


Tektonisch bilden das Thüringische Schiefergebirge, der Frankenwald und das Fichtelgebirge eine einzige Formation, die bis an die böhmische Grenze reicht....

 

Vieles gäbe es zu sagen, aber noch mehr gibt es zu tun!

Die Wissenschaft hat sich vor 250 Jahren ausdrücklich von Religion freigemacht. Daß Wissenschaft aber auch wieder zu Religion werden kann, das geschieht dann, wenn man ihren Erzählungen vorbehaltslos glaubt. Und diese sind leider allzu häufig an ökonomische Interessen einzelner oft finanzstarker Gruppen gebunden.

Also, macht Euch selbst ein Bild, packt an, und laßt Glaube und Information wieder zu Erlebnis und echtem Wissen werden!

Daraus folgt die größte Effizienz!

Kommt in den Wald, lernt von Förstern, Ornithologen, Wald- und Wildnispädagogen und vor allen von Euren Erfahrungen, die Ihr selbst beim Pflanzen der Bäume sammelt.

 

bei Meuselbach - Mischung aus Podsolen und Braunerden

 

Buntsandsteinrelief im Paulinzellaer Vorland 

Über dem Tal der Weissen Schwarza

Revierförster Jakob Strobel mit der Waldbürger-Initiative bei einer Frühjahrspflanzaktion.

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